Tradition mit Herz und Geschichte – Das Schützenwesen im Saarland

Wenn im Saarland die Fahnen der Schützenvereine gehisst werden, Blasmusik durch die Straßen klingt und Uniformen, Trachten sowie historische Fahnen das Bild prägen, wird deutlich: Schützenwesen ist weit mehr als Sport. Es ist gelebte Tradition, Ausdruck von Gemeinschaft und Teil regionaler Identität. Auch im Schützenverband Saar ist das Brauchtum fest im Vereinsleben verankert – obwohl oder gerade, weil die Geschichte des Verbandes jünger ist als die vieler anderer Landesverbände des Deutschen Schützenbundes.
 


Die Entstehung des Schützenverbandes Saar fällt in eine Zeit des Neubeginns. Nach den Wirren des Zweiten Weltkrieges und der politischen Sonderstellung des Saarlandes suchten viele Menschen Orientierung und Zusammenhalt. In dieser Phase entstand der Wunsch, die bestehenden Schützenvereine zu bündeln und dem Schießsport im Land eine gemeinsame organisatorische Grundlage zu geben. So wurde Anfang der 1950er Jahre der Grundstein für den heutigen Verband gelegt.

Während der Deutsche Schützenbund im Jahr 1961 bereits sein hundertjähriges Bestehen feiern konnte, blickte der Schützenverband Saar damals erst auf ein Jahrzehnt Verbandsarbeit zurück. Diese scheinbare „Verspätung“ ist jedoch kein Zeichen fehlender Tradition, sondern Ausdruck der besonderen Geschichte des Saarlandes. Kaum eine Region Deutschlands war politisch so häufigen Veränderungen unterworfen: Zugehörigkeiten zu Preußen, Frankreich und dem Deutschen Reich wechselten sich ab, nach dem Zweiten Weltkrieg folgte eine Phase politischer Autonomie, bevor das Saarland 1957 nach einer Volksabstimmung Teil der Bundesrepublik Deutschland wurde.

Unsere ältesten Schützengesellschaften
Diese wechselvolle Vergangenheit prägte auch das Vereinsleben. Während in anderen Regionen Deutschlands manche Schützenvereine auf mehrere Jahrhunderte Geschichte zurückblicken können, entwickelten sich viele Strukturen im Saarland erst später. Dennoch reicht die Tradition des Schützenwesens auch hier weit zurück. Versetzt in die Zeit von damals, das Jahr 1848 gilt als ein markanter Wendepunkt in der europäischen Geschichte. Politische Umbrüche, gesellschaftliche Veränderungen und der beginnende industrielle Aufschwung prägen diese Zeit. Das wirtschaftliche Leben, das über Jahrhunderte hinweg relativ gleichmäßig verlaufen war, gerät nun in Bewegung. Technische Entwicklungen und neue Produktionsformen ermöglichen Leistungssteigerungen, die eine Generation zuvor kaum vorstellbar gewesen wären.

Schützengesellschaft Saarbrücken von 1848 e.V.
In dieser bewegten Zeit beginnt auch die Geschichte der Schützengesellschaft Saarbrücken von 1848 e.V.
 


Am 18. April 1848 berieten die Büchsenschützen der Stadt – Mitglieder der damaligen Sicherheitswache – über die Gründung einer eigenen Schützengesellschaft. Ziel war es, sich durch regelmäßiges Schießtraining zu üben, um im Bedarfsfall als Teil der Volksbewaffnung dem Vaterland dienen zu können. Gleichzeitig stellte sich die Gesellschaft dem Oberanführer der städtischen Sicherheitswache zur Verfügung, wenn ein ernsthafter Einsatz von Schusswaffen notwendig wurde.
Mitglied konnte jeder Saarbrücker Bürger werden, der das 23. Lebensjahr vollendet hatte und den Statuten der Gesellschaft beitrat. Als erster Schießstand diente der Rothenhof. Dort trafen sich die Mitglieder bereits kurz nach der Gründung: Am Ostermontag, dem 24. April 1848, fand das erste Scheibenschießen statt.
Am 1. Oktober desselben Jahres folgte mit einem „Haupt- und Preisschießen“ das erste Schützenfest der Gesellschaft. Damit begann eine Tradition, die fortan jährlich gefeiert wurde und sich rasch zu einem festen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens entwickelte – der Beginn einer langen Schützentradition in Saarbrücken.

Schützengesellschaft 1849 e.V. Homburg/Saar
Alles begann am 5. Februar 1849, dem Tag, der als Gründungsdatum der Schützengesellschaft 1849 e.V. Homburg/Saar gilt.
 


Damals hatte der Stadtrat von Homburg dem Antrag des Schützenhauptmanns Schreiner von der Bürgerwehr entsprochen und den Bau eines Schießstands zwischen dem oberen und unteren Kirrberger Weg genehmigt, um Schießübungen zu ermöglichen. Anfang 1853 wandte sich der damalige Vorstand der Schützengesellschaft, Georg Löw, mit einer ehrfurchtsvollen Bitte an das „verehrliche königliche Landkommissariat“. Er ersuchte um die Erlaubnis zum Neubau eines Schießhauses auf dem Gelände des ehemaligen Schießstands, dass der Gemeinde Homburg gehörte. Das königliche Landkommissariat betrachtete diesen Antrag als berechtigt, und der Stadtrat stimmte dem Neubau mit Beschluss vom 23. März 1853 zu. Bereits am 16. Mai 1909 wurde das neue Schießhaus feierlich eingeweiht, begleitet von einem großen Preisschießen, das zahlreiche Schützen und Gäste anlockte.

Ein Anfang mit Wirkung bis heute
Aus den Versammlungen der Jahre 1848 und 1849 entstanden Gemeinschaften, deren Wirkung bis heute anhält. Die Schützengesellschaft Saarbrücken von 1848 e.V. und die Schützengesellschaft 1849 e.V. Homburg/Saar stehen damit nicht nur für sportliche Tradition, sondern auch für ein lebendiges Stück Stadtgeschichte.
Mehr als 175 Jahre später blicken beide Vereine auf eine bewegte Geschichte zurück. Trotz politischer Umbrüche, zweier Weltkriege und vieler Veränderungen bestehen sie bis heute – getragen vom Engagement und der Leidenschaft vieler Generationen von Schützinnen und Schützen.

Schützenfeste und historisches Böllern
Heute gliedert sich der Schützenverband Saar in vier Kreise, in denen ein lebendiges und engagiertes Vereinsleben gepflegt wird. Ein besonderer Höhepunkt im Jahreslauf sind die Schützenfeste, die in vielen Orten zu den bedeutendsten gesellschaftlichen Ereignissen zählen. Hier wird das sichtbar, was das Schützenwesen seit Generationen auszeichnet: Gemeinschaft, Tradition und die Freude am sportlichen Wettstreit.
Die Schützenfeste sind weit mehr als sportliche Veranstaltungen – sie sind Treffpunkt für Schützinnen und Schützen aus der gesamten Region und Ausdruck gelebter Tradition. Wenn sich die Vereine versammeln, entstehen festliche Momente voller Stolz, Kameradschaft und Verbundenheit.
 


Schützinnen und Schützen ziehen in ihren Uniformen und Trachten mit Fahnenabordnungen, Musikzügen und den Königshäusern durch die Straßen. Der festliche Zug wird begleitet vom kraftvollen Donnerhall der Böllerschützen und Kanoniere, deren Salutschüsse das Ereignis weithin hörbar machen und der Feier eine ganz besondere Atmosphäre verleihen.
Entlang der Straßen säumen zahlreiche Zuschauer den Weg des Festzuges und verfolgen begeistert das farbenfrohe Schauspiel aus Tradition, Musik und Gemeinschaft.
 


Der feierliche Höhepunkt des Tages ist schließlich die Inthronisierung des neuen Königshauses. Unter dem Applaus der Gäste übernehmen die frisch gekrönten Majestäten ihre Ämter und repräsentieren fortan mit Stolz und Würde das Schützenwesen ihres Vereins – bis zum nächsten Königsschießen.
So werden bei den Schützenfesten im Saarland Tradition und Gemeinschaft lebendig gehalten und von Generation zu Generation weitergegeben.

Böllern
Ein ganz besonderes und im Saarland besonders eindrucksvoll gepflegtes Brauchtum ist das Böllern. Wenn zu Schützenfesten oder besonderen Anlässen die Böllerschützen antreten, liegt eine gespannte Erwartung in der Luft. Mit donnernden Salutschüssen aus Handböllern, Standböllern – und nicht selten sogar aus historischen Kanonen und Uniformen – wird der Beginn eines Festes angekündigt oder ein Höhepunkt feierlich begleitet. Der kräftige Knall hallt über Felder und durch die Ortschaften und lässt das Ereignis weithin hörbar werden. Dieses beeindruckende Ritual verbindet Handwerk, Tradition und Gemeinschaft auf besondere Weise und sorgt immer wieder für Gänsehautmomente bei Teilnehmern und Zuschauern gleichermaßen.
 

Präsidenten des Schützenverbandes Saar – Bernd Schneider:
„Gerade im Saarland zeigt sich, dass Tradition nicht allein vom Alter abhängt. Sie entsteht dort, wo Menschen ihre Werte leben und ihr Vereinsleben mit Engagement über Generationen hinweg weitergeben. Genau das leisten die Schützenvereine unseres Landes. In vergleichsweiser kurzer Zeit ist es ihnen gelungen, ein lebendiges Brauchtum zu entwickeln, das sportlichen Wettbewerb, Gemeinschaft und regionale Verbundenheit miteinander verbindet.
Der Schützenverband Saar steht heute für eine Tradition, die aus der Geschichte gewachsen ist und zugleich offen in die Zukunft blickt. Die Pflege von Brauchtum, Kameradschaft und ehrenamtlichem Engagement ist dabei ebenso wichtig wie der sportliche Wettbewerb.
Gemeinsam bilden diese Werte das Fundament einer lebendigen Schützengemeinschaft im Saarland – und zugleich einen wichtigen Bestandteil der großen Familie des Deutschen Schützenbundes. In 2026 dürfen wir dabei ein ganz besonderes Ereignis feiern: Der Deutsche Schützenbund begeht seine 75-jährige Wiedergründung, und auch der Schützenverband Saar blickt auf 75 Jahre Verbandsgeschichte zurück. Ein echtes Doppeljubiläum, das uns mit Stolz erfüllt und zugleich Ansporn ist, unsere Traditionen weiterhin mit Leben zu füllen und in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.“

Bis zum nächsten Mal
Eure Landespressereferentin

Birgit Gehl