Mitten ins Gold – Saarländische Bogenschützen bei den Deutschen Meisterschaften WA im Freien 2026
Die Freiluftsaison 2026 im Bogensport hatte für den saarländischen Nachwuchs und die erfahrenen Schützinnen und Schützen einiges zu bieten.
Während die jüngsten Talente bei der Premiere der eigenständigen Deutschen Meisterschaft der Schülerklassen in Suhl Geschichte schreiben durften, traf sich die große deutsche Bogensportfamilie vom 11. bis 13. September in Wiesbaden zum Saisonhöhepunkt. Dort ging es für die weiteren Altersklassen um die begehrten Deutschen Meistertitel.
Zwei Veranstaltungen, die unterschiedlicher kaum sein konnten – und die doch eines gemeinsam hatten: die Leidenschaft für den Bogensport, die Konzentration vor jedem Schuss und den Kampf um jeden einzelnen Ring.
Premiere für den jüngsten Bogensport-Nachwuchs
Am 22. August 2026 wurde im Schießsportzentrum Suhl ein neues Kapitel im deutschen Bogensport aufgeschlagen. Erstmals richtete der Deutsche Schützenbund eine eigenständige Deutsche Meisterschaft für die Schülerklassen A und B aus.
Die Resonanz war beeindruckend: 209 junge Bogenschützinnen und Bogenschützen im Alter von elf bis vierzehn Jahren gingen bei dieser Premiere mit Recurve-, Compound- und Blankbogen an den Start.
Damit stand nicht nur der sportliche Wettbewerb im Mittelpunkt. Die Veranstaltung war zugleich ein eindrucksvolles Zeichen für die Bedeutung und die Zukunft des Nachwuchses im Bogensport.
Die Schüler A (13 - 14 Jahre) absolvierten 72 Wettkampfpfeile. Für die Schüler B (11-12 Jahre) standen 36 Pfeile auf dem Programm. Anschließend wartete auf die Teilnehmer noch eine besondere Herausforderung: In einem Athletikparcours mussten sie Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Koordination unter Beweis stellen. Der Athletikparcours floss dabei nicht in die DM-Wertung ein, sondern ergänzte den Wettkampftag um einen zusätzlichen sportlichen Akzent.
Auch das Wetter verlangte den jungen Sportlerinnen und Sportlern einiges ab. Sonne und auch Phasen mit Regen machten den Wettkampf nicht einfacher. Doch die gute Stimmung blieb erhalten. Mit bemerkenswerter Begeisterung und sportlichem Ehrgeiz kämpften die Nachwuchsschützen um jeden Ring.
Vier Saarländer bei der DM-Premiere
Für das Saarland gingen bei dieser historischen Premiere vier Nachwuchstalente an den Start: Samuel Eckstein vom SV St. Hub. 1927 Ensdorf, Fred Gaßmann und Bianca Schmitt von der TuS Höchen Abteilung Bogensport sowie Henning Barth von den Burgschützen Büschfeld.
Und das Quartett durfte sich über hervorragende Ergebnisse freuen: Alle vier konnten sich in ihren jeweiligen Alters- und Bogenklassen im Spitzenbereich unter den besten Teilnehmern platzieren.
Vier junge Saarländer, vier starke Auftritte – damit war die Premiere in Suhl auch aus saarländischer Sicht ein voller Erfolg.
Vor allem aber war diese erste eigenständige Schüler-DM ein Erlebnis, das bei den jungen Sportlerinnen und Sportlern bleibende Eindrücke hinterlassen dürfte. Der Deutsche Schützenbund hatte mit der eigenen Veranstaltung bewusst eine Bühne für den Nachwuchs geschaffen. Die große Beteiligung zeigte, wie viel Begeisterung bereits in den jüngsten Altersklassen vorhanden ist.
Suhl machte damit eindrucksvoll deutlich: Die Zukunft des Bogensports steht bereits an der Schießlinie.
Wiesbaden: Die große Bühne für Deutschlands Bogensportelite
Nur wenige Wochen später richtete sich der Blick nach Wiesbaden.
Vom 11. bis 13. September 2026 wurden in Wiesbaden auf der Sportanlage Kleinfeldchen die Deutschen Meisterschaften WA Bogen im Freien ausgetragen. Am Samstag und Sonntag wechselte die große Bühne auf das Bowling Green, wo die Finalentscheidungen ausgetragen wurden.
Über 650 Schützinnen und Schützen sorgten für ein beeindruckendes Teilnehmerfeld. Geschossen wurde mit Recurve-, Compound- und Blankbogen. Vom Jugendbereich bis zu dem erfahrenen Master und Senioren war das gesamte Leistungsspektrum vertreten.
Das Wiesbadener Teilnehmerfeld war in diesem Jahr älter als in den vergangenen Jahren. Der Grund dafür lag in der neuen Struktur der Deutschen Meisterschaften: Die Schülerklassen hatten mit ihrer eigenen DM in Suhl erstmals eine separate Meisterschaft erhalten. Dadurch war in Wiesbaden Platz für die älteren Altersklassen geschaffen worden.
Die Mischung aus sportlicher Qualität, unterschiedlichen Altersklassen und den drei Bogenarten sorgte für drei Tage voller Spannung.
Und mittendrin: die saarländischen Schützinnen und Schützen.
Bianca Speicher: Mit Ruhe, Konzentration und Erfahrung zur Titelverteidigung
Einen ganz besonderen Moment erlebte Bianca Speicher von den Burgschützen Büschfeld.
Als Titelverteidigerin in der Klasse Recurve Master Frauen war sie mit einem klaren Ziel nach Wiesbaden gereist: Sie wollte ihren Deutschen Meistertitel erneut gewinnen. Einen Titel zu gewinnen, ist bereits schwierig genug. Einen Titel zu verteidigen, bedeutet jedoch eine zusätzliche Herausforderung.
Die Erwartungen sind höher, die Konkurrenz kennt die Stärken der Titelverteidigerin – und der eigene Anspruch steigt ebenfalls. Bianca Speicher stellte sich dieser Herausforderung mit beeindruckender Konsequenz. Bereits der erste Durchgang gelang hervorragend. Mit 326 Ringen legte sie den Grundstein für ihren späteren Erfolg. Nach der Pause konnte sie dieses außergewöhnlich hohe Niveau im zweiten Durchgang zwar nicht ganz halten und erzielte 314 Ringe, doch ihr Vorsprung war groß genug.
Auch zwei Passen, bei denen es nicht ganz so lief wie gewünscht, konnten ihren Erfolg nicht mehr gefährden. Am Ende standen 640 Ringe und erneut die Goldmedaille. Mit einem Vorsprung von 22 Ringen setzte sich Bianca Speicher vor Kerstin Koch vom KKS Edemissen und Britta Körber vom BSC Wunstorf durch.
Damit war die Titelverteidigung perfekt.
Bianca Speicher im Interview:
„Es war einfach eine totale Freude. Aber ich freue mich immer erst richtig, wenn das Ergebnis endgültig feststeht“, beschreibt Speicher ihren Moment des Triumphs.
Dabei war der Wunsch nach der erfolgreichen Titelverteidigung von Anfang an vorhanden. „Es war von Anfang an mein Ziel, meinen Titel zu verteidigen. Deshalb war der Druck, den ich mir selbst gemacht habe, schon ziemlich hoch.“
Umso größer war die Freude, als feststand: Das Ziel war erreicht.
Der Sieg war zugleich der perfekte Abschluss einer erfolgreichen Saison.
„Es war eine hervorragende Saison, und mit der Goldmedaille bei der Deutschen Meisterschaft WA Bogen im Freien hätte sie für mich nicht besser enden können.“
Ein Satz, der die Bedeutung dieses Erfolges wunderbar beschreibt.
Vielen Dank Bianca für das Interview!
Jugend mit starken Auftritten und wertvollen Erfahrungen
Auch die saarländischen Jugendlichen stellten sich in Wiesbaden der nationalen Konkurrenz. Emma Brill von der Bogensportschule Saar und Lotta Berweiler von den Burgschützen Büschfeld gingen in der Klasse Recurve Jugend weiblich an den Start.
Für Lotta Berweiler war die Meisterschaft dabei eine besondere Erfahrung. Zum ersten Mal stand sie bei einem Wettkampf dieser Größenordnung mit einem entsprechend großen Starterfeld auf der Schießlinie. Die Vorbereitung war sehr gut verlaufen. Doch im Bogensport können Kleinigkeiten große Auswirkungen haben. In der ersten Runde hatte Lottas Armschutz einen Defekt. Dadurch kam es zu einer Passe mit einer sehr niedrigen Ringzahl. Diese verlorenen Ringe machten sich am Ende bemerkbar und kosteten sie den Einzug ins Finale.
Trotzdem bleibt die Teilnahme an einer Deutschen Meisterschaft eine wertvolle Erfahrung, die sie auf ihrem weiteren sportlichen Weg nutzen kann.
Auch Emma Brill zeigte zunächst einen sehr guten Wettkampf. Der erste Durchgang verlief hervorragend. Im zweiten Durchgang konnte sie das hohe Niveau des ersten Durchgangs jedoch nicht ganz wiederholen. Für Emma Brill war die Deutsche Meisterschaft zugleich eine wertvolle Gelegenheit, ihr Können auf nationaler Ebene zu zeigen und sich mit der starken Konkurrenz ihrer Altersklasse zu messen.
Beide Nachwuchsschützinnen sammelten damit wichtige Erfahrungen auf nationaler Ebene – und zeigten zugleich, dass das Saarland auch im Jugendbereichauf einer sehr guten Basis steht.
Kampfgeist bis zum letzten Pfeil
Ein besonders beeindruckendes Beispiel für Einsatz und Kampfgeist lieferte am Sonntag Roland Schneider von den Bogensportfreunden Litermont.
Für Roland Schneider von den Bogensportfreunden Litermont war die Deutsche Meisterschaft in Wiesbaden bereits der zweite große nationale Höhepunkt des Jahres. Zuvor hatte er im Para-Bogensport beim Deutschen Behindertensportverband (DBS) bereits einen Deutschen Meistertitel errungen. Dass Schneider seinen Sport dabei aus dem Rollstuhl heraus betreibt, macht seinen Weg und seine sportliche Leistung besonders bemerkenswert. In Wiesbaden stellte er sich anschließend erneut der starken Konkurrenz und bewies auch unter den schwierigen Bedingungen mit Regen und Wind beeindruckenden Kampfgeist. Bis zum letzten Pfeil blieb er konzentriert und behauptete sich mit einer starken Leistung in einem hochkarätigen Teilnehmerfeld im vorderen Bereich.
Gerade solche Auftritte zeigen, was den Bogensport so faszinierend macht: Es geht nicht allein um Medaillen. Es geht darum, sich einer Herausforderung zu stellen, konzentriert zu bleiben und auch unter schwierigen Bedingungen bis zum Ende um jeden Ring zu kämpfen.
Ein starkes saarländisches Team
Neben Bianca Speicher, Emma Brill, Lotta Berweiler und Roland Schneider waren zahlreiche weitere saarländische Schützinnen und Schützen in Wiesbaden am Start.
Dazu gehörten Olexandr Antonov vom Schützenverein St. Arnual, Franziska Meier von der SG Cloef 1965 Orscholz, Kathrin Kölsch vom SV Mach Mit Bexbach e.V., Carmelo Gangarossa vom SV Hub. Saarwellingen, Alexander Zitzmann von den Bogensportfreunden Litermont und Christian Studt vom Schützenverein Riegelsberg.
Sie alle stellten sich der starken Konkurrenz auf nationaler Ebene und konnten sich mit guten Leistungen behaupten.
Die Ergebnisse reichten dabei vom vorderen Teilnehmerbereich bis in ein sehr gutes Mittelfeld. Gerade angesichts der Leistungsdichte bei einer Deutschen Meisterschaft ist das eine bemerkenswerte Leistung.
Denn bei einer Deutschen Meisterschaft trifft man auf die besten Schützinnen und Schützen des Landes. Jeder Ring muss erarbeitet werden, jeder Pfeil verlangt Konzentration. Schon die Qualifikation für eine solche Meisterschaft ist deshalb eine hervorragende sportliche Leistung.
Umso schöner ist es, dass sich die saarländischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer in diesem starken Umfeld erfolgreich behaupten konnten.
Zwei Meisterschaften – eine gemeinsame Leidenschaft
Mit den beiden Deutschen Meisterschaften in Suhl und Wiesbaden bekam die Freiluftsaison 2026 zwei ganz besondere Höhepunkte.
In Suhl standen die jüngsten Bogenschützinnen und Bogenschützen im Mittelpunkt. Die Premiere der eigenständigen Schüler-DM brachte 209 Kinder zusammen und gab dem Nachwuchs eine eigene große Bühne.
In Wiesbaden zeigte sich anschließend die ganze Vielfalt des deutschen Bogensports: Jugend, Erwachsene, Masters und Senioren; Recurve-, Compound- und Blankbogen; ambitionierte Sportlerinnen und Sportler ebenso wie international erfahrene Profis. Insgesamt wurden dort 22 Einzeltitel in den verschiedenen Altersklassen ausgeschossen.
Für das Saarland waren es zwei Veranstaltungen mit vielen schönen Momenten.
Vier Nachwuchstalente konnten sich bei der Premiere in Suhl im Spitzenbereich behaupten.
Bianca Speicher krönte ihre Saison mit der erfolgreichen Verteidigung ihres Deutschen Meistertitels.
Und zahlreiche weitere saarländische Schützinnen und Schützen zeigten in Wiesbaden, dass sie sich auch auf nationaler Ebene gegen eine starke Konkurrenz behaupten können. Dabei sind es nicht immer nur die Medaillen, die eine Meisterschaft zu einem besonderen Erlebnis machen.
Es sind die vielen kleinen Geschichten: die Aufregung vor dem ersten Pfeil, die Konzentration während der Passe, der Kampf gegen Sonne, Wind und Regen, die Enttäuschung über einen missglückten Schuss – und anschließend wieder der Blick nach vorne.
Es ist die Ruhe, die ein Bogenschütze braucht, während ringsum hunderte Menschen mitfiebern. Und es ist dieser eine besondere Augenblick, wenn der Pfeil die Scheibe trifft und für einen kurzen Moment alles andere vergessen ist.
Genau das macht die Faszination des Bogensports aus.
Die Deutschen Meisterschaften 2026 haben diese Faszination auf eindrucksvolle Weise sichtbar gemacht.
Für die saarländischen Bogenschützinnen und Bogenschützen endet damit eine erfolgreiche und ereignisreiche Freiluftsaison – mit starken Nachwuchsleistungen, vielen guten Platzierungen, wertvollen Erfahrungen und einer Deutschen Meisterin, die ihren Titel erfolgreich verteidigen konnte.
Der letzte Pfeil der Saison ist geschossen. Die Geschichten aber bleiben – und die Vorfreude auf die nächste Saison beginnt bereits jetzt.
Bis zum nächsten Mal
Eure Landespressereferentin
Birgit Gehl
Fotos: Die Fotos wurden von den beteiligten Schützinnen und Schützen sowie teilweise vom Deutschen Schützenbund (DSB) zur Verfügung gestellt.
Link Ergebnisse Wiesbaden










